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Bankenviertel

CEO und die Öffentlichkeit: Wenn Führung plötzlich privat wird

In einer Welt, in der jeder Klick zählt, steht kaum jemand so sehr im Rampenlicht wie die CEOs großer Unternehmen. Früher reichte es, kompetent zu führen, Strategien zu entwickeln und Ergebnisse zu liefern. Heute aber ist die Öffentlichkeit ein stiller Mitentscheider – und Social Media die Bühne, auf der sich Macht und Menschlichkeit begegnen.

Zwischen Authentizität und Imagepflege

LinkedIn, Instagram, X – sie alle fordern von Führungskräften, sichtbar zu sein. Nahbar. Authentisch. Doch wie echt darf oder soll ein CEO in der Öffentlichkeit eigentlich sein?

Der Versuch, menschlich zu wirken, kippt schnell ins Kalkulierte. Das Selfie aus dem Homeoffice, der Einblick ins Familienleben, der spontane Gedanke zum Weltgeschehen – all das wirkt oft weniger wie Offenheit, sondern wie ein bewusst gesetzter Baustein im Personal Branding. „Echtheit“ wird zur Strategie.

Und genau hier liegt das Problem: Sobald Authentizität zur Methode wird, verliert sie ihre Wirkung.

Die Gratwanderung: Persönlichkeit zeigen ohne sich zu verlieren

Führungskräfte stehen heute unter doppeltem Druck. Einerseits sollen sie klare Haltung zeigen – zu gesellschaftlichen Fragen, zu Nachhaltigkeit, zu sozialer Verantwortung. Andererseits riskieren sie, sich mit jedem Statement angreifbar zu machen. Ein falscher Ton, ein unbedachter Post, ein zu privates Detail – und schon steht die Integrität des Unternehmens zur Debatte.

Viele CEOs haben deshalb zwei Gesichter: das private, das kaum jemand kennt, und das öffentliche, das sorgfältig kuratiert ist. Doch diese Trennung wird immer schwieriger. Die Öffentlichkeit erwartet Transparenz, während dieselbe Öffentlichkeit gnadenlos urteilt, wenn jemand zu viel zeigt.

Führung neu denken: Zwischen Mensch und Marke

Vielleicht ist es an der Zeit, den Begriff „Führungspersönlichkeit“ neu zu denken. Es geht nicht darum, perfekt zu erscheinen oder sich hinter PR-Statements zu verstecken. Sondern darum, Haltung zu zeigen auch dann, wenn sie unbequem ist. Authentisch zu sein bedeutet nicht, alles zu teilen, sondern ehrlich zu sein in dem, was man teilt.

Der CEO von heute muss kein Social-Media-Star sein. Aber er oder sie sollte verstehen, dass Sichtbarkeit Verantwortung bedeutet. Wer öffentlich auftritt, prägt nicht nur das Bild des Unternehmens, sondern auch das gesellschaftliche Vertrauen in Führung insgesamt.

Fazit: Menschlich, ja – aber mit Bewusstsein

Die Öffentlichkeit liebt Persönlichkeiten, die menschlich wirken. Aber Menschlichkeit ist kein Marketinginstrument. Sie ist die Grundlage von Vertrauen – und Vertrauen entsteht nicht durch perfekt inszenierte Posts, sondern durch glaubwürdiges Handeln.


Vielleicht ist das die wahre Kunst der modernen Führung: nicht laut zu sein, sondern echt. Und zu wissen, wann Schweigen stärker spricht als jedes Statement.

 
 
 

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